Bauzinsen steigen: Was Käufer und Verkäufer jetzt wissen sollten

Für Immobilienkäufer hat sich die Finanzierung in den vergangenen Monaten spürbar verändert. Am 10. September 2026 hat die Europäische Zentralbank den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent angehoben. Bereits zuvor waren Baufinanzierungen teurer geworden.
Das wirkt sich unmittelbar darauf aus, welchen Kaufpreis sich ein Haushalt leisten kann. Schon wenige Zehntelprozentpunkte Unterschied beim Darlehenszins können bei einer Finanzierung über mehrere hunderttausend Euro die monatliche Rate deutlich verändern.
Kaufinteressenten sollten deshalb nicht allein vom angebotenen Kaufpreis ausgehen. Entscheidend ist die gesamte Finanzierung. Wie viel Eigenkapital ist vorhanden? Welche monatliche Rate bleibt dauerhaft tragbar? Welche Rücklagen bleiben nach dem Kauf für Modernisierungen und unerwartete Ausgaben? Eine Finanzierung, die nur unter idealen Bedingungen funktioniert, ist zu knapp kalkuliert.
Auch für Verkäufer sind steigende Zinsen relevant. Wenn Käufer weniger finanzieren können, beeinflusst das die Nachfrage und damit den tatsächlich erzielbaren Kaufpreis. Ein Angebotspreis sollte deshalb nicht aus früheren Verkaufspreisen oder allgemeinen Quadratmeterwerten abgeleitet werden. Entscheidend sind die aktuelle Nachfrage, die Lage und der Zustand der Immobilie sowie die Finanzierungsmöglichkeiten der Zielgruppe.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Immobilienpreise automatisch deutlich fallen müssen. Immobilienmärkte entwickeln sich regional sehr unterschiedlich. Ein gepflegtes Einfamilienhaus in gefragter Lage kann weiterhin auf eine stabile Nachfrage treffen, während Immobilien mit erheblichem Modernisierungsbedarf stärker unter Preisdruck geraten können.
Für Käufer wie Verkäufer gilt deshalb: Nicht auf die nächste Zinsbewegung spekulieren, sondern mit den aktuellen Rahmenbedingungen rechnen. Eine realistische Finanzierung und eine fundierte Marktwerteinschätzung schaffen dafür eine wesentlich bessere Entscheidungsgrundlage.
Erstellt am: 18.09.2026
Autor: Sven-Oliver Drasdo











